Kavalan – Concertmaster

14. Dezember 2018 1 Von MeinWhiskyBlog.de

Kavalan – Concertmaster (Port Finish)

Vor einiger Zeit hatte ich die Gelegenheit ein Sample des Kavalan Concertmaster Port Finish zu bekommen. Da meine Sample Sammlung zu diesem Zeitpunkt (ganz wie von selbst ;)) überdimensionale Ausmaße annahm, durfte „der Kleine“ noch ein paar Wochen verschlossen im Schrank verbringen. Nun habe ich ihn endlich geöffnet… Wie ich ihn fand!? Dazu gleich mehr!

Zunächst habe ich ein paar Infos zur Brennerei für euch. 

Die Kavalan Brennerei ist in Taiwan angesiedelt und gehört zu der King Car Group. Bei der King Car Group handelt es sich um ein großes taiwanesisches Unternehmen mit Schwerpunkt in der Lebensmittelindustrie. Dessen Gründer und zugleich Eigentümer Lee – ein whiskybegeisterter Zeitgenosse – erfüllte sich schließlich im Jahre 2005 den Traum einer eigenen Brennerei. Kavalan war geboren. Erstaunlich ist, dass bereits im März 2006 die erste Destillation durchgeführt wurde. Die ersten Abfüllungen von Kavalan erschienen im Jahre 2008. Der „Durchbruch“ konnte danke des Exports nach Europa und in die USA gefeiert werden.

Von Beginn an entwickelte Kavalan einen eigenen Brennereicharakter, welcher sich, bezüglich Aroma und Geschmack, durch fruchtige Noten von Apfel über bis hin zu exotischen Früchten wie Mango und Ananas äußert. Ebenso sind volle und süßliche Vanillearomen  ein prägender Charakter der Kavalan Whiskys.

Eine weitere Besonderheit bei der Kavalan-Brennerei ist, dass der Whisky aufgrund der geografischen Lage der Brennerei, ein anderes Reifungsverhalten aufweist. Die zwei Lagerhäuser der Brennerei, welche jeweils 5 Stockwerke hoch sind, unterliegen hohen Temperaturschwankungen. So erreichen die oberen Etagen Temperaturen bis zu 42 Grad, während die Temperaturen im unteren Bereich bei rund 24 Grad verweilen. Diese Temperaturen führen unter anderem dazu, dass die Brennerei mit einem Angels Share von bis zu 15% zu kämpfen hat. zuzüglich verursachen die doch teilweise kühle Nächte – als Pendent zu den hohen Temperaturen am Tag – für einen deutlich beschleunigten Reifeprozess. Teilweise wird davon gesprochen, dass der Whisky bis zu 3 x so schnell reift wie in schottischen Lagerhäusern – inwiefern eine 3 mal so schnelle Reifung tatsächlich eintritt vermag ich aktuell nicht zu beurteilen.

Genug von der Brennerei, nun soll es um den Kavalan Concertmaster Port Finish gehen.

Fasstyp: Beim Concertmaster handelt es sich um ein Cuvée, denn er vereint verschiedene Fasstypen, u.a. werden Weinfässer, sowohl neue als auch Refill Sherry- bzw. Bourbonfässer vereint. Dazu bekommt der Concertmaster ein Finish in Portweinfässer. Durch das Finish im Portweinfass bekommt der Concertmaster eine absolut geniale Farbe.

Nase: In der Nase ist der Concertmaster eine absolute Fruchtbombe. Zu Beginn hat mich unmittelbar ein Aroma von tropischen bzw. exotischen Früchten umgehauen. Eine prädominante Kokusnote nimmt die Nase ein, gepaart mit einer subtilen aber einnehmenden Ananas kommt in einem zweiten Moment hinzu. Diese Fruchtigkeit wird begleitet durch ein Hauch Vanille gepaart mit einer sehr süßlichen Note. Ob es nun mehr in Richtung Honig oder Karamell geht, konnte ich nicht zu 100 % herausbekommen. Auch wenn beim ersten Riechen direkt an Karamell (diese Karamellbonbons) denken musste.

Im Mund: Im Mund entfaltet der Concertmaster erneut eine sehr fruchtige Seite. Die Ananas sticht im Mund total hervor. Hinzu kommt eine sanfte, sehr reife Mango. Mit der Mango assoziiere ich auch die fruchtige Süße die ich im Mund direkt gespürt habe. Im Mund spüre ich nun auch den Einfluss der Portfässer, denn die Portweinnote lässt sich, wenn auch nicht prädominant, aber dennoch deutlich herausschmecken. Das habe ich in der Nase leider etwas vermisst.

Interessant fand ich vor allem, dass ich nachdem ich den Concertmaster 2-3 Sekunden im Mund hatte, plötzlich absolute „After Eight“ Geschmack im Mund hatte (ich liebe After Eight). Irgendwie konnte ich mir das nicht erklären, hat sich bei wiederholten Verkostungen aber des öfteren wiederholt – wenn auch nicht immer. Das macht den Concertmaster für mich nur noch interessanter.

Der Concertmaster kommt im Mund zunächst sehr mild daher, entwickelt aber nach einem Moment des freundlichen Kennenlernens auch eine rauere, leicht Pikannte Seite – was gut zu seinem Charakter passt.

Abgang: Der Concertmaster hat – und das hatte ich so in keiner weiße erwartet – einen sehr langanhaltenden und ausgeprägten Abgang. Der Abgang an sich ist sehr Fruchtig, mit einem deutlichen Hauch Mango und einer angenehmen, hier sogar tatsächlich Honigartigen, Süße. Alles in allem ein sehr sehr gelungener Abgang.

Fazit:Whisky aus Taiwan…? Das an sich ist schon sehr interessant! Aber er schmeckt auch noch hervorragend. Ja, es stimmt, der Portwein spielt hier keine zu Große Rolle, aber das muss er auch gar nicht. Vielmehr rundet er der Whisky ab, gibt ihm eine interessante Nebennote und wertet ihn auf.

Der Preis ist mit ca. 50 Euro noch vertretbar, auch wenn ich ihn eher in einem segment um die 40-45 Euro angesiedelt hätte.

Alles in Allem, kann ich ihn mit gutem Gewissen weiterempfehlen. Ich hatte von dem Concertmaster nur ein Sample, werde mir aber eine Flasche für die heimische Vitrine bestellten.

Ps.: Kavalan ist in meinen Augen ein absolutes Paradebeispiel dafür, wie viel man in sehr wenig Zeit erreichen kann! Leidenschaft, Hingabe und ein großer Wille können sehr gute Ergebnisse herbeiführen (zugegeben, der Geldbeutel dürfte in diesem Fall auch nicht zu gering bestückt gewesen sein ;)).